18.03.2025, Soner Ipekcioglu
Was bedeutet
Verantwortung,
wenn niemand mehr
entscheiden will?
Verantwortung klingt nach Klarheit. Nach Rückgrat, Führung, Entscheidungskraft. Doch in vielen Organisationen – auch im Mittelstand – zeigt sich ein anderes Bild: Entscheidungen werden vertagt, weitergereicht oder im Kollektiv zerredet. Je höher der Druck, desto größer die Unsicherheit. Und desto seltener übernimmt jemand wirklich Verantwortung.
Ein Unternehmen hatte nach außen flache Hierarchien eingeführt. Teams sollten selbst entscheiden, Prioritäten setzen, Abläufe gestalten. Doch intern wuchs die Frustration. Entscheidungen zogen sich, niemand wollte die letzte Verantwortung tragen. Die Geschäftsführung hielt sich zurück – aus Respekt vor Selbstorganisation. Die Teams zögerten – aus Angst, falsch zu liegen. Das Ergebnis: Stillstand.
Verantwortung beginnt nicht mit einem Titel. Sie beginnt mit der Bereitschaft, eine Haltung sichtbar zu machen – und sie im Zweifel zu vertreten. Verantwortung bedeutet: sich zeigen, auch wenn es unbequem wird. Und das Risiko eingehen, dass eine Entscheidung später kritisiert wird.
Gleichzeitig darf Verantwortung nicht mit Einzelkampf verwechselt werden. Wer Verantwortung trägt, braucht Rückhalt – kulturell, strukturell, emotional. Ohne Vertrauen in die Organisation wird Verantwortung schnell zur Überforderung. Ohne Entscheidungskompetenz wird sie zur Geste.
Als Impulsgeber:innen erleben wir: Viele Unternehmen haben gelernt, Verantwortung formal zu verteilen – aber nicht, sie kulturell zu verankern. Dabei ist die eigentliche Frage nicht: Wer darf entscheiden? Sondern: Wer fühlt sich zuständig – und wer steht dazu, wenn es schwierig wird?
In Zeiten der Transformation wird Verantwortung oft kollektiv verhandelt – aber selten aktiv gelebt.
Vielleicht braucht es nicht mehr Entscheidungsformate. Vielleicht braucht es mehr Mut, Entscheidungen wirklich zu tragen.
Mich interessiert: Wo in deinem Umfeld wird Verantwortung bewusst übernommen – und wo eher umgangen?

