10.02.2025, Soner Ipekcioglu
Orientierung geben,
ohne zu steuern
Führung verändert sich. Nicht, weil es gerade modern ist – sondern weil sich die Bedingungen verändert haben. In vielen Organisationen entstehen neue Dynamiken, neue Arbeitsweisen, neue Anforderungen. Die alte Vorstellung von Steuerung stößt an ihre Grenzen.
Ein mittelständisches Unternehmen hatte in den letzten Jahren vieles umgebaut: Projektstrukturen statt Abteilungen, mehr Eigenverantwortung, weniger Kontrolle. Doch im Alltag blieb vieles zäh. Mitarbeitende fragten nach klaren Vorgaben, Führungskräfte gerieten unter Druck. Zwischen dem Wunsch nach Selbstorganisation und der Angst vor Kontrollverlust entstand Unsicherheit – auf beiden Seiten.
Was in solchen Situationen fehlt, ist nicht mehr Führung. Was fehlt, ist Orientierung. Und die entsteht nicht durch Anweisungen, sondern durch Klarheit im Inneren: Über Haltung, Werte, Zielbilder.
Orientierung bedeutet, als Führungskraft eine Richtung zu verkörpern – nicht jede Entscheidung selbst zu treffen. Es bedeutet, Vertrauen auszuhalten, auch wenn nicht sofort alles funktioniert. Und es bedeutet, nicht in jedes operative Detail einzugreifen, sondern Räume zu gestalten, in denen andere handeln können.
Gerade im Mittelstand, wo Nähe zur Geschäftsführung oft gegeben ist, wird diese Unterscheidung entscheidend: Wer ständig lenkt, verhindert Verantwortung. Wer nur loslässt, lässt oft Ratlosigkeit zurück. Es braucht die Balance: Präsent sein, ohne zu kontrollieren. Spürbar bleiben, ohne zu vereinnahmen.
Als Impulsgeber:innen erleben wir immer wieder: Orientierung entsteht dort, wo Klarheit über das Gemeinsame herrscht – nicht über Kontrolle. Wer weiß, wofür er oder sie steht, kann auch andere souverän handeln lassen.
Vielleicht geht es heute nicht mehr darum, Menschen zu führen. Vielleicht geht es darum, Räume zu schaffen, in denen sie sich selbst ausrichten können.
Mich interessiert: Wie gelingt in deinem Umfeld diese Form von Führung?

